(entstanden zum Thema „Eine romantische Szene schreiben“ meines Schreibforums)

  
 Claires Herz klopfte schnell, als sie mitten in der Nacht durch den dunklen Flur schlich. Der Durst hatte sie letztendlich aus dem Bett getrieben, nachdem sie stundenlang wach gelegen hatte. Der heutige Tag hatte sie einfach nicht einschlafen können.
 Sie kam an Timos Zimmer vorbei und stockte. Sollte sie es wagen ...? Die letzten Wochen hatten nicht nur für ihn und Chrissie einiges geändert, sondern auch in Claire neue Gefühle erweckt. So stand sie also mitten in der Nacht vor seiner Tür. Wie lange starrte sie bereits auf die Klinke?
 Unter der Tür drang gedämpftes Licht nach außen, er war trotz fortgeschrittener Uhrzeit wach. Claire gab sie sich einen Ruck und klopfte an, im Kanon mit ihrem pochenden Herzen.
 »Ja?«
 Mit zitternden Händen öffnete sie die Tür und blickte hinein. Timo saß auf seinem Bett und las, doch als er sie erblickte, legte er das Buch beiseite und lächelte. »Komm rein.«
 Claire schlüpfte in das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Jetzt erst wurde ihr bewusst, dass sie sich seit ein paar Tagen nicht mehr privat unterhalten hatten, geschweige denn allein in einem Raum gewesen waren. Sie ging zum Bett und setzte sich auf die Kante. Ihr Blick fiel auf das Kinderbettchen, wo die zweijährige Chrissie seelenruhig am Schlafen war.
 Claire drehte ihren Kopf und kreuzte den Blick Timos. »Sie schaut so friedlich aus, wenn sie schläft.«
 Ein Strahlen schlich sich in seine Augen. »Ja, das ist wahr.«
 Er streckte seine Hand nach ihr aus. »Komm mal her.«
 Scheu nahm sie die dargebotene Hand und ließ sich von ihm aufs Bett ziehen, bis sie neben ihm saß.
 Er sah ihr in die Augen und ließ ihre Hand nicht los. »Ich wollte mich bei dir bedanken. Was du für Chrissie und mich heute getan hast, kann ich niemals wieder gut machen. Meine Ex hätte dich am liebsten gevierteilt, als du im Amt aufgetaucht bist.«
 Seine Stimme war leiser geworden, oder kam ihr das nur so vor, weil ihr Herz immer lauter schlug? 
 Sie lächelte. »Ich habe das getan, was mir mein Herz gesagt hat. Alles andere wäre falsch gewesen. Wenn diese aufgedonnerte Tusse das Sorgerecht für Chrissie bekommen hätte, wäre ich vom Glauben abgefallen. Und das, nachdem sie dich betrogen hat.«
 Für einen Moment verdüsterte sich sein Gesichtsausdruck, als sie ihn an seine verkorkste Beziehung erinnerte. Er nickte schließlich und gewann sein spitzbübisches Grinsen zurück. »Also hast du mir nur geholfen, weil sonst dein Seelenfrieden gestört gewesen wäre?«
 Wie so oft schaffte er es, sie zum Lachen zu bringen. »Genau. Warum sollte ich es sonst tun?«
 Daraufhin setzte er einen weichen, liebevollen Blick auf, der ihre Knie weich werden ließ. »Weil du mich gern hast?«
 Gut, dass sie saß, sie hätte ihren Beinen nicht mehr vertrauen können. Ihr Blick fiel scheu hinab. Timo hielt weiterhin ihre Hand in seiner, strich sanft mit seinem Daumen darüber. Mit, wie sie am Rande bemerkte, zittriger Stimme sagte sie: »Ja, deswegen auch. Ich mag dich sogar sehr.«
 Hitze schlug ihr ins Gesicht, was war los? Sie blickte auf.
 Timos Ohren glühten ebenso. Doch er sah ihr fest in die Augen. »Ich mag dich auch ziemlich, Claire. Du hast es geschafft, dass Chrissie und ich ein neues Leben beginnen können.«
 Ebenso leise antwortete sie: »Das freut mich wirklich, ich habe mir nichts anderes gewünscht, als euch zu helfen.«
 Er zog sie näher heran.
 Claire konnte nicht anders, sie versank in seinem Blick und vergaß alles um sich herum.
 »Danke«, flüsterte er. Sein Kopf kam näher an sie heran, bis sie sich in seinen Augen spiegeln konnte. Seine Hand streichelte ihr über die Schulter bis in den Nacken, wo sie sich in ihren Haaren verlor.
 Claire schloss die Augen und atmete tief ein. Vertrauter Geruch drang ihr in die Nase und verursachte eine Gänsehaut auf ihrem Rücken. Dann berührten sich ihre Lippen. Claire fühlte nichts anderes mehr außer dieser Berührung und seiner Hand, die ihr durchs Haar fuhr. Ihr Gehirn schaltete ab. 
 Als sie sich voneinander lösten, atmeten sie schwer und sahen sich lange an. Ein Strahlen huschte über Timos Gesicht und er zog sie in seine Arme.
 Durch ihren Kopf drang ein einziger Gedanke: Genau davon hatte sie seit Tagen geträumt, auch wenn sie es sich nicht hatte eingestehen wollen.
 Schließlich drückte er sie von sich weg und lächelte sie liebevoll an. »Du bist wunderschön, hab ich dir das schon mal gesagt?«
 Sie schüttelte feixend den Kopf. »Das würde sich aus deinem Mund auch etwas schnulzig anhören.«
 Auch er grinste und zog sie für einen weiteren Kuss zu sich. 
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